Medizin 4.0

Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin 2018

Medizin 4.0 – Ethik im digitalen Gesundheitswesen


Die Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin findet vom 13. bis 15. September 2018 in Köln statt und wird von ceres ausgerichtet.

Vorträge — Poster — Workshops — Präkonferenzsymposien

Die digitale Transformation verändert nicht nur das Wirtschaftsleben, die Arbeitswelt und die private Kommunikation, sondern betrifft auch den Gesundheitssektor in besonderem Maße. Die Speicherung persönlicher Gesundheitsinformationen in elektronischen Gesundheits- und Patientenakten, der Aufbau und die Vernetzung medizinischer Datenbanken, die Nutzung künstlicher Intelligenz in Diagnostik, Therapie, Forschung sowie Aus- und Weiterbildung, der Einsatz von gesundheitsbezogenen Apps, Wearables sowie digitalen Assistenz- und Überwachungssystemen – all diese Anwendungen eröffnen vielversprechende neue Möglichkeiten der verbesserten Versorgung und Therapie, der Prävention, der Pflege und der sozialen Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen. Die zunehmende digitale Durchdringung des Gesundheitssektors wirft jedoch zugleich eine Vielzahl ethischer Fragen auf:

Gesundheit, Krankheit und individuelle Selbstbestimmung

  • Wie verändern sich bisherige Konzepte von Gesundheit und Krankheit, etwa mit Blick auf frühzeitig einsetzende, algorithmengesteuerte Risikoprofilbildungen?
  • Welche Rechte, Ansprüche und Verpflichtungen ergeben sich durch die Möglichkeit der umfangreichen Sammlung und Nutzung gesundheitsbezogener Daten für den Einzelnen? 
  • Welche neuen Chancen und Herausforderungen entstehen durch den Einsatz von datengestützter Technik für Patienten, Ärzte, Pflegende und Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko im Bereich von Diagnostik, Therapie und Prävention?
  • Wie können die Autonomie und der Schutz der Privatsphäre der involvierten Personen sichergestellt werden?
  • Welche Folgen hat die sich auflösende Grenze zwischen Life-Style-Optimierung, Prävention und Gesundheitsförderung?

Interaktionen im therapeutischen/pflegerischen Bereich

  • Welche Konsequenzen sind für die Beziehung zwischen Arzt und Patient bzw. Pflege und Patient zu bedenken?
  • Welche Rolle soll und kann der Arzt/die Pflegeperson einnehmen? 
  • Welche Kompetenzen müssen Ärzte/Pflegepersonal in der Ausbildung vermittelt bekommen, um mit dem digitalen Entwicklungen Schritt zu halten?
  • Wie lässt sich gewährleisten, dass gesundheitsrelevante Informationen sachgerecht vermittelt werden?
  • Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für die ärztliche und pflegerische Aus-, Fort- und Weiterbildung? 
  • Wie kann man erkennen, ob man Gesundheitsinformationen im Internet trauen kann?

Gerechtigkeit, Solidarität und Governance

  • Welche Herausforderungen ergeben sich in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit?
  • Wie kann der Zugang zu digitalen Gesundheitsleistungen gerecht gestaltet werden?
  • Welche Bedingungen müssen geschaffen werden, damit die neuen Technologien effizient genutzt werden können?
  • An welchen Stellen fordert die Ethik weiteren Regulierungsbedarf?
  • Welche Auswirkungen haben verhaltensbasierte Versicherungsmodelle auf die solidarische Krankenversicherung?
  • Wie kann die Governance eines digitalen Gesundheitswesens gerecht und demokratisch implementiert werden?

Diesen und weiteren Fragen wird auf der AEM-Jahrestagung 2018 nachgegangen. Neben der ärztlichen und pflegerischen Praxis sollen hierbei wissenschaftliche Perspektiven, insbesondere der Ethik, Philosophie, Theologie, Medizin, Pflege- und Gesundheitswissenschaften, Soziologie, (Bio-/Medizin-)Informatik und Rechtswissenschaften fruchtbar gemacht werden. Ziel ist es, den interdisziplinären Austausch über die Chancen und Risiken sowie die Erfordernisse für eine ethisch und gesellschaftlich adäquate Gestaltung der aktuellen digitalen Entwicklungen zu befördern.