Ringvorlesung Wintersemester 2017/2018

Die programmierte Gesundheit. Digitalisierung in der Medizin


Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Medizin grundlegend. Umfassend erhobene Gesundheitsdaten sollen maßgeschneiderte Diagnosen und Therapien erlauben, Ärztemangel und Pflegenotstand durch Telematik überwunden werden. Die neuen Möglichkeiten versprechen eine in vielen Hinsichten bessere Gesundheitsversorgung und -forschung. Zudem können wir mithilfe einer immer breiteren Auswahl von Gesundheits-Apps, Wearables und anderen digitalen Anwendungen größeren Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen. Der digitalen Medizin wird ein enormes Potenzial zugetraut.

  • Doch welche Herausforderungen und Risiken stehen diesen Chancen gegenüber?
  • Welche Rolle spielt der Arzt noch?
  • Kann digitale Medizin die hohen Erwartungen überhaupt erfüllen?
  • Was müssen wir tun, um die Sicherheit und die Privatsphäre des Patienten und auch unser solidarisches Versicherungssystem zu schützen?

Diesen Fragen widmen sich hochkarätige ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis an neun Terminen im Wintersemester 2017/18. Sie stellen aktuelle Entwicklungen dar und diskutieren über die Auswirkungen der digitalen Revolution in der Medizin.

Datum
Immer mittwochs, an neun Terminen während des Wintersemesters

Starttermin
15.11.2017

Zeit
18.00 Uhr s.t. - 19.30 Uhr

Ort

Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

Auftaktveranstaltung

Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal II, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

Erwerb von Leistungs- und Fortbildungspunkten

Anerkannt mit 3 LP im Studium Integrale der Universität zu Köln.

Fortbildungspunkte für Ärzte sind bewilligt.


Programm

Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal II, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

15.11.2017

Auftaktveranstaltung: Elektronische Patientenakte. Der souveräne oder gläserne Patient?

Doppeluntersuchungen, fehlende Befunde mit der Konsequenz gefährlicher Falschbehandlungen, Patienten, die nur mühsam Zugang zu ihren eigenen Gesundheitsdaten erhalten – dies alles ließe sich durch eine elektronische Patientenakte vermeiden. Durch einen schnellen und transparenten Informationsfluss könnten die individuelle Gesundheitskompetenz und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient wie auch zwischen mehreren Behandlern eines Patienten verbessert werden. Ärzte und Vertreter anderer Gesundheitsberufe, Forscher und Patienten brauchen jedoch neue Kompetenzen, um mit digitalen Gesundheitsdaten und neuen Kommunikationsmöglichkeiten effektiv und sicher umgehen zu können. Welche Unterstützung benötigen Patienten, um ihre elektronische Patientenakte sinnvoll zu nutzen? Stärkt das Patientenfach ihre Selbstbestimmung oder ist es eher eine Gefahr für die Privatsphäre? Können elektronische Patientenakten auch für die Forschung nutzbar gemacht werden?

Das Patientenfach. Patientendaten in der klinischen Praxis

Prof. Dr. med. Edgar Schömig
Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor
Uniklinik Köln


Elektronische Patientenakten für bessere Versorgung und Forschung

Prof. Dr. rer. nat. Britta Böckmann
Professorin für Medizinische Informatik
Fachhochschule Dortmund

im Anschluss: Podiumsdiskussion

Prof. Dr. med. Edgar Schömig (Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor, Uniklinik Köln)
Prof. Dr. rer. nat. Britta Böckmann (Professorin für Medizinische Informatik, Fachhochschule Dortmund)
Klaus Rupp (Leiter des Fachbereichs Versorgungsmanagement der Techniker Krankenkasse)
Simone Pareigis (Patientin und Entwicklerin der elektronischen Online-Gesundheitsakte meine.WEGA)

Moderation: Prof. Dr. med. Christiane Woppen (Geschäftsführende Direktorin von ceres)


Hauptgebäude der Univeristät zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

22.11.2017

Digitalisierte Medizin. Meine Daten, meine Gesundheit?

Die verfügbare Menge und die Nutzung von Gesundheits-Apps, Wearables und weiteren digitalen Gesundheitsangeboten haben ein nie gekanntes Ausmaß angenommen. Der große Markt solcher Anwendungen ist zugleich so unübersichtlich wie nie. Seriöse Programme, die einen großen Nutzen für die Prävention und Versorgung versprechen, stehen neben solchen, deren Effektivität und Datenschutzrichtlinien fragwürdig sind. Sowohl die Qualität der Anwendungen, die unmittelbar auf die Gesundheit Einzelner Einfluss nehmen können, als auch der sichere Umgang mit den erhobenen Daten, die ein hohes Diskriminierungspotenzial bergen, sind von elementarer Bedeutung.  Wie können qualitätsgeprüfte und einem hohen Datenschutz entsprechende Angebote von problematischen unterschieden werden? Wie kann der Nutzer bestimmen, welchen Anwendungen er vertrauen kann? Muss der Verbraucher besser geschützt werden? Was denken die Nutzer über die digitalen Gesundheitsangebote und die Weitergabe ihrer Gesundheitsdaten?

Aktuelle Wege in der Prävention und Versorgung

Dr. med. Kai Kolpatzik, MPH, EMPH
Leiter Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband


Digitale Gesundheit: Was sagen die Bürger? Was ändert sich für die Patienten?

Dr. rer. pol. Axel Wehmeier
Vorsitzender des Arbeitskreises E-Health
bitkom e.V.


Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

29.11.2017

Der Doktor und die Daten. Wo bleibt der Arzt in der digitalen Gesundheitsversorgung?

Es entstehen immer bessere digitale Systeme und Datenbanken zur Unterstützung der ärztlichen Entscheidungsfindung in Diagnose und Therapie. Mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen etwa in der Bildgebung nehmen dem Arzt mehr und mehr Aufgaben ab. Patienten kommen mit Gesundheitsdaten zum Arzt, die sie eigenständig mithilfe von Wearables und Apps erhoben haben. Wie wird sich aufgrund dieser Entwicklungen die Rolle des Arztes verändern? Treffen Computer die besseren Entscheidungen? Welche Konsequenzen wird der Einzug von Algorithmen und Analyseprogrammen auf die Medizin von morgen haben? Werden Ärzte künftig gar durch Roboter und Avatare ersetzt?

Mensch oder Maschine: Wer wird die personalisierte Medizin steuern?

Dr.-Ing. Matthieu-P. Schapranow
Leiter des Programms E-Health & Life Sciences
Hasso-Plattner-Institut (HPI) Potsdam


Elektronisch gestützte Patientenversorgung. Der Weg von der Theorie in die Praxis

Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA
Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care
Uniklinik RWTH Aachen


Hauptgebäude der Univeristät zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

06.12.2017

Mit der Telematik gegen Ärztemangel und Pflegenotstand

Ärztemangel, Pflegenotstand, medizinische Versorgung in strukturschwachen Gebieten – die Digitalisierung wird von vielen als wichtiger Beitrag gesehen, um mit den damit verbundenen Herausforderungen umzugehen. Mithilfe einer umfassenden Telematikinfrastruktur können etwa mobil eingeschränkte oder auf dem Land lebende Menschen durch Videosprechstunden vereinfachten Zugang zu Gesundheitsleistungen erhalten. Auch alten Menschen kann mittels fernmedizinischer Anwendungen und digitaler Assistenzsysteme dabei geholfen werden, ihre Eigenständigkeit so lange wie möglich zu bewahren. Doch ist der direkte menschliche Kontakt ersetzbar? Welche Einschränkungen gehen mit einer telemedizinischen Versorgung einher? Wo stoßen die Möglichkeiten der Telematik an Grenzen?

Telematik in Medizin und Pflege

Prof. Dr. sc. hum. Peter Haas
Professor für Medizinische Informatik Fachhochschule Dortmund


Dorfgemeinschaft 2.0. Digitale Assistenzsysteme für die Versorgung

Prof. Dr. phil. habil. Hartmut Remmers
Professor für Pflegewissenschaft
Institut für Gesundheitsforschung und Bildung (IGB)
Universität Osnabrück


Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

13.12.2017

Zwischen Freiheit und Gesundheitszwang. Solidarität in einem digitalen Gesundheitswesen

Der Markt für Gesundheits-Apps und Fitness-Tracker boomt. Die individuelle Erfassung von Gesundheitsdaten ist aber nicht nur für den einzelnen Nutzer interessant, der z.B. seine Trainingserfolge kontrollieren will, sondern auch für Krankenkassen und Gesundheitsdienstleister. Solche Daten können die medizinische Versorgung durch aufeinander abgestimmte Interventionen verbessern, Krankheiten früher erkennbar machen und dabei helfen, krankheitsfördernden Verhaltensweisen entgegenzuwirken. Dies kann zur Entlastung der solidarischen Finanzierung der Versorgung beitragen. Doch führt ein gesellschaftlicher Trend der Selbstüberwachung am Ende zu einer Pflicht zur gesundheitlich optimierten Lebensführung? Werden Versicherungen mit vergünstigten Prämien und Bonus-Systemen darüber bestimmen, welches Verhalten als gesund gilt und wer „den Kürzeren zieht“? Was geschieht mit Menschen, die sich nicht entsprechend verhalten können? Wie viel Selbstverantwortung kann, darf und soll den Versicherten zugemutet werden?

Entsolidarisierung oder neue Solidarität? Gesundheitsprogramme und ihre Folgen

Dr. rer. pol. Andrea Timmesfeld
Country Functional Head „Public Affairs & Community Engagement“
Generali Deutschland


Eigenverantwortung und Solidarität. Gesundheitspolitische Forderungen und praktische Umsetzungen

Dr. iur. Björn Schmitz-Luhn
Geschäftsführer ceres, Universität zu Köln
Lehrbeauftragter für das Medizin- und Sozialrecht an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM)


Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

20.12.2017

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Dr. Google oder Ihre Online-Community! Gesundheitsinformationen im WorldWideWeb

Auf der Suche nach Gesundheitsinformationen wird immer öfter das Internet konsultiert. Viele Patienten tauschen sich in Gesundheitsforen aktiv über ihre Erfahrungen aus. Derzeit werden gesundheitliche Informationen von privaten und öffentlichen Anbietern ins Netz gestellt und sowohl von privaten Nutzern als auch von professionellen Gesundheitsdienstleistern abgerufen. Das Internet bietet Ärzten und kommerziellen Anbietern zudem die Möglichkeit, ihre Dienste und Produkte zu bewerben. Das Informationsangebot ist vielfältig und die Qualität der angebotenen Informationen für den Einzelnen kaum einzuschätzen. Gerade im Gesundheitsbereich ist es jedoch wichtig, zwischen seriösen und unseriösen Informationen zu unterscheiden. Welche Kontrollen gibt es? Wie ist grundsätzlich mit derlei Informationen umzugehen? Wie kann man den Nutzern helfen, die Qualität und Zuverlässigkeit der Informationen zu beurteilen?

Qualität und Vertrauenswürdigkeit von Online-Gesundheitsinformationen

Marion Grote-Westrick
Senior Project Manager 
Programm Versorgung verbessern – Patienten informieren
Bertelsmann Stiftung


Vernetzte Gesundheit aus Patientensicht

Prof. Dr. iur. Andréa Belliger-Krieger, MBA
Prorektorin des Bereichs Dienstleistungen
Pädagogische Schule Luzern, Schweiz


Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

10.01.2018

Big Data = Big Chances. Bessere Forschung durch mehr Daten?

Die immer schneller wachsende Menge medizinischer Daten weckt große Hoffnungen für die Forschung: Millionen Patientendaten können schnell und zielgenau auf Besonderheiten durchsucht werden, die mit einer bestimmten Erkrankung im Zusammenhang stehen. Behandlungserfolge und -fehlschläge bei neuen Therapien können schneller sichtbar gemacht und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in der Forschung genutzt werden. Doch wie kommen die Daten in die Datenbank? Führt Forschung mit Daten aus dem Versorgungsalltag zu verlässlichen Erkenntnissen? Wie lässt sich die Vielzahl verschiedener Datenbanken verknüpfen? Wie wird sichergestellt, dass die Schnittstelle zwischen alltäglicher medizinischer Versorgung und Forschung so gestaltet ist, dass personenbezogene Daten im Interesse der Patienten aufbewahrt und genutzt werden? 

Neue Wege der evidenzbasierten Medizin

Prof. Dr. med. Jürgen Windeler
Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit
im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln


Big Data und das Versprechen einer personalisierten Medizin

Prof. Dr. rer. nat. Gerd Antes
Co-Direktor Cochrane Deutschland
Universitätsklinikum Freiburg


Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

17.01.2018

Wearables, Apps und sonstige Sensoren. Die Medikalisierung des Lebens

Aktuellen Studien zufolge erfasst mittlerweile ein Drittel der Internetnutzer weltweit die eigene Gesundheit und Fitness mithilfe von Apps, Fitness-Trackern und anderen digitalen Anwendungen. Auch in Deutschland überwachen viele Menschen ihre Gesundheit und Fitness digital und sind bereit, die dabei gesammelten persönlichen Daten an die verschiedenen Anbieter der Apps zu übermitteln. Wo liegen die Chancen der Selbstvermessung und des Monitoring etwa bei chronischen Erkrankungen? Wo liegen Gefahren der Preisgabe teils hochgradig persönlicher Daten? Wohin führt ein gesellschaftlicher Trend, alle Lebensbereiche zu vermessen – und Menschen gemäß bestimmter Eigenschaften zu kategorisieren?

Gesund durch Apps und digitale Assistenzsysteme?

PD Dr. med. Urs-Vito Albrecht
Stellvertretender Institutsleiter am Standort Medizinische Hochschule Hannover

P. L. Reichertz Insitut für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)


Digitale Selbstvermessung zwischen Freiwilligkeit und Zwang. Soziologische und ethische Implikationen von Lifelogging

Prof. Dr. phil. Stefan Selke
Forschungsprofessor „Transformative und Öffentliche Wissenschaft“ Fakultät Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft
Hochschule Furtwangen


Hauptgebäude der Universität zu Köln, Hörsaal XII, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

24.01.2018

Dr. Algorithmus. Die Rolle der Maschinen in der Medizin 4.0

Auch in Deutschland nutzen erste Krankenhäuser ein so genanntes kognitives Assistenzsystem. Dieses auf der IBM-Watson-Technologie basierte Computersystem versteht natürliche Sprache, kann logische Schlüsse ziehen und lernt aus der Interaktion mit Daten und Benutzern. Das System soll „die Ärzte und Spezialisten bei der Diagnosefindung unterstützen und so die Behandlungszeit von jährlich hunderten Patienten verkürzen.“ Erste Untersuchungen zeigen, dass solche Systeme in vielen Fällen tatsächlich bessere Befunde erheben und bessere Entscheidungen treffen als Ärzte. Was bedeutet das für die Zukunft der Gesundheitsversorgung? Wer kontrolliert, wann das System falsch liegt? Wie können Mensch und Maschine so zusammen arbeiten, dass wir ihnen vertrauen? 

Dr. Watson und die Zukunft der Medizin

Dr. Dr. Matthias Reumann
Mitglied des Forscherteams IBM Research im
Züricher Forschungsinstitut für biologische Systeme, Schweiz


Das Verhältnis von Mensch und Maschine im digitalisierten Gesundheitswesen

Prof. Dr. theol. habil. Arne Manzeschke
Leiter der Fachstelle für Ethik und Anthropologie im Gesundheitswesen
Institut Technik- Theologie- Naturwissenschaften (TTN)
Ludwig-Maximilians-Universität München